Callcenter in Indien

Call Center in Indien

Hier beantworten die Mitarbeiter Anrufe in akzentfreiem Englisch oder Spanisch. Indianer-Callcenter lösen keine Probleme (Kommentar). Auslagerung: Das Ende des indianischen Call Center-Wunders Heute, so erzählt er voller Stolz, schwirren seine 20 gemeinsamen Taxis jeden Tag abends und früh morgens in Bangalore aus, um übermüdeten Call-Center-Mitarbeitern, IT-Beratern und Programmierern von den rund um die Uhr beleuchteten Büroräumen bis in die Vororte zu helfen. Innerhalb von 30 Jahren entwickelte sich die ehemals nur 2,5 Mio. Menschen zählenden Hansestadt zu einem molochischen Ort mit heute 6,5 Mio.

Menschen.

Hier haben sich SAP und IBM angesiedelt, Tata Consultancy Services, Wipro und Infosys. Für die Kunden ist dies ein wichtiger Schritt. Die Industrie ist bundesweit auf mehr als 800.000 Beschäftigte angewachsen und erwirtschaftete 2008 einen Jahresumsatz von mehr als 46,3 Mrd. Dollars. Das teilte der Industrieverband Nasscom mit. Einsparungen in Milliardenhöhe. Kunden aus den USA und Westeuropa können jetzt gar Geld einsparen.

Nasscom geht davon aus, dass die Industrie im aktuellen Geschäftsjahr bis einschließlich Februar 2010 nur um vier bis sieben Prozentpunkte auf 48 bis 50 Mrd. USD gewachsen sein wird. Die Industrie verzeichnete im letzten Jahr einen Zuwachs von 16 Prozentpunkten, davor gar 29 Prozentpunkte. Der Vertragsbestand selbst sank um elf Zehntel.

Dementsprechend haben die IT-Dienstleister nur Bestellungen im Gesamtwert von 20,5 Mld. USD mitgenommen. Darüber hinaus ist der Durchschnittswert der Jahresverträge um 28 Prozentpunkte gesunken. Dass die Industrie auch in der zweiten Jahreshälfte das Umsatzniveau der vergangenen Jahre nahezu erreicht, sei unmöglich, meint TPI in seiner Untersuchung.

Im Gegenteil, der Markthistoriker geht davon aus, dass das Unter-nehmen selbst Gefahr läuft, unter den Jahresumsatz des vergangenen Rezessionsjahrs 2001 zu sinken. In Nordamerika ging das Geschäftsvolumen bereits um ein drastisches Drittel zurück, in Europa ist der Crash noch dramatischer: Der Auftragswert ist um 45 Prozentpunkte und der Jahresdurchschnittswert um 60 Prozentpunkte gesunken. Die fünf grössten Firmen der Industrie haben zwischen MÃ??rz 2008 und MÃ?rz dieses Jahr 80.000 neue MÃ? rzkrÃ??fte angestellt, aber die CEOs des Unternehmens sind nun auf beiden Beinen auf der Gegenliebe.

Die Firmen haben seit langem alle Werbemaßnahmen an den Hochschulen abgesagt und einen Einstellungsstopp auferlegt. Die Verlangsamung ist in den Quartalsreports der Branchenleader deutlich: Desweiteren musste sich die in der Industrie führende Firma Informationenys im zweiten Quartal mit fast drei Prozentpunkten weniger Umsätzen und gut fünf Prozentpunkten weniger Ergebnis als im vorangegangenen Quartal zufrieden geben. Konkurrent Wipro erzielte 3,5 Prozentpunkte weniger Umsätze, konnte aber dank harter Einsparungen den Reingewinn um fast 18 Prozentpunkte ausweiten.

Für die weitere Entwicklung ist die Industrie jedoch unerschütterlich begeistert von ihrem Wachstum. "â??Bis 2020 wird der Erlös auf 175 Mrd. $ steigenâ??, schÃ?tzt Lakshmi Narayana, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates von Cancognizant Technology Solutions. "â??80% des Marktes sind immer noch brachliegendâ??, sagt er. TPI-Beraterchef Marc Mayo ermutigt die Firmen ebenfalls: "Wir haben erste Anzeichen einer Branchenstabilisierung vor allem in den USA miterlebt.

Die Gegenüberstellung mit dem US-Giganten IBM verdeutlicht die Schwachstellen inländischer Unternehmen: Mit rund 90.000 Mitarbeitern von IBM in Indien wird ein dreifach höherer Pro-Kopf-Umsatz erzielt als mit den Mitarbeitern von Wipro. Die US-Gruppe setzt seit Jahren auf langfristig wertschöpfende Deals, während sich die indischen Firmen seit langem auf reine Aktivitäten konzentrieren.

Die attraktivsten Geschäfte auf dem Inlandsmarkt, ein Fünf-Jahres-Vertrag über 800 Mio. USD mit Wodafone, landeten bei IBM. TCS und seine inländischen Mitbewerber generieren nur fünf Prozentpunkte ihres Umsatzes mit besonders hochentwickelten Geschäftsfeldern, während die westlichen Mitbewerber die Hälfe generieren. Die Problematik: Indische Firmen fehlen zurzeit das nötige Know-how und die Erfahrungen für wertschöpfende Bestellungen.

Die HCL Technologies, einer der fünf großen Player der Industrie, geht nun ein neues Jahr ein. Wipro hat auch im vergangenen Jahr einen ersten Sprung gemacht. In den Mannschaften stieg die Jahresproduktivität pro Person von 38.000 USD im Jahr 2008 auf voraussichtlich 42.000 USD. Info-Sys liegt auf Cash-Bergen von mehr als 2,2 Mrd. USD, während Wipro, TCS und HCL Technologies mehr als eine Mrd. USD setzen können.

Wipro hatte in jüngster Zeit auch Erfahrungen im Auslandsgeschäft gesammelt. Die Indianer bezahlten 600 Mio. Euro für den New Yorker IT-Spezialisten Infocrossing. Daher müssen sich die Indianer auf lange Sicht von ihren Gewinnspannen zwischen 25 und 30 Prozentpunkten trennen, sagt Sid Paí, Analyst bei TPI. Wenn alles schief geht, kann Wipro wenigstens auf ein besseres Geschäft in anderen Branchen hoffen:

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